Umsetzung Griffbereit

Umsetzung Griffbereit

Die Umsetzung wird in Nordrhein-Westfalen seit 2013 durch die Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI) gesteuert und begleitet. Seit 2018 verantwortet die LaKI auch die systematische bundesweite Ausweitung, die durch die Auridis gGmbH gefördert wird. Es gibt inzwischen bundesweit bereits mehr als 470 Griffbereit-Gruppen. Das Programm wird auch in weiteren europäischen Ländern erfolgreich umgesetzt.

Rahmenbedingungen / Kooperation

Zur Durchführung von Griffbereit müssen interessierte Träger eine Kooperationsvereinbarung mit der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI) NRW abschließen, sofern noch keine eigene Landeskoordinierungsstelle im Bundesland besteht. Danach erhalten sie das Griffbereit-Materialpaket kostenfrei als PDF-Datei. Durch die Vereinbarung verpflichten sich die Träger, die Qualitätsstandards des Programms einzuhalten. Der Träger vor Ort finanziert die Programmdurchführung sowie Schulung, Honorar und Anleitung der Elternbegleiter*innen. Die bei der LaKI angesiedelte bundesweite Koordinierungsstelle koordiniert und/oder begleitet das Programm bundesweit auch in Kooperation mit anderen Ämtern und Trägern und bietet Informationsveranstaltungen sowie Schulungen an. Angestrebt ist die Etablierung von Landeskoordinierungsstellen in jedem Bundesland, in dem das Programm Anwendung findet, um eine gezielte Begleitung der Arbeit vor Ort zu gewährleisten.

 

Die Griffbereit-Materialien:

  • Griffbereit-Elternmaterialien (64 Bausteine in Form von alters- sowie entwicklungsgerechten Aktivitäten und Spielvorschlägen) für die Arbeit der Eltern/Familien in den verschiedenen Familiensprachen mit den Kindern in der Gruppe und zu Hause. Die Elternmaterialien liegen in Albanisch, Arabisch, Bulgarisch, Dari, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Kroatisch, Kurdisch, Niederländisch, Paschtu, Polnisch, Romanes, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Tschetschenisch, Türkisch und Vietnamesisch
  • Handbuch für Elternbegleiter*innen. Das Handbuch für die Griffbereit-Elternbegleiter*innen dient als Grundlage für die Vorbereitung und Einführung in die Arbeit mit dem Griffbereit-Programm und informiert über die praktische Umsetzung des Konzeptes wie die Rolle der Elternbegleiterin/des Elternbegleiters, Materialien, Durchführungsbedingungen, Öffentlichkeitsarbeit usw. Es zeigt exemplarisch die Gestaltung einer Griffbereit-Stunde und gibt Hinweise zur Reflexion und zu thematischen Elternabenden in den jeweiligen Einrichtungen.
  • Ergänzenden Materialien zur gezielten Planung und Vorbereitung der mehrsprachigen Arbeit in der Griffbereit-Gruppe.

Die Materialien erlauben somit eine Durchführung in einem Zeitraum von 64 Wochen, wobei sich die Bausteine 1–31 eher an die jüngeren Kinder bis zwei Jahren und die Bausteine 32–64 eher an die Kinder ab zwei Jahren richten. Die Materialien werden stets weiterentwickelt und weitere Übersetzungen werden gemäß migrationsgesellschaftlicher Entwicklungen ergänzt. Trotz thematischer Vorgaben ist das Programm offen und flexibel, die Umsetzung ist mit verschiedenen pädagogischen Konzepten und der alltagsintegrierten Sprachbildung kompatibel. Das Angebot sollte in mindestens zwei Sprachen oder möglichst allen in der Gruppe vertretenen Familiensprachen stattfinden.

 

Organisatorische und zeitliche Rahmenbedingungen

Eine Gruppe von bis zu acht Eltern/Familien mit Kindern im Alter zwischen einem und drei Jahren trifft sich einmal wöchentlich zu diesen mehrsprachigen Eltern- und Kind-Aktionen und wird von bestenfalls zwei oder mindestens einer Person in der Rolle der Elternbegleitung angeleitet.

Bei einer Doppelbesetzung mit klar verteilten Rollen, bietet sich auch die Möglichkeit nach dem Grundsatz „eine Person – eine Sprache“ arbeiten zu können. So spricht die/der eine Elternbegleiter*in immer Deutsch und die/der andere immer eine andere Sprache. Es ist daher wichtig, bei der Auswahl der Elternbegleiter*innen  auf ihre sprachliche Kompetenz zu achten. Dabei kann eine der beiden Elternbegleiter*innen einsprachig Deutsch sein, wenn die zweite Leitung solide doppelsprachig ist und Deutsch als Zweitsprache gut beherrscht. Die Elternbegleiter*innen sichern die durchgängige und verlässliche Verwendung der Zweisprachigkeit in der Gruppe.

Die Elternbegleiter*innen werden ca. vier Wochen vor Beginn der Programmdurchführung auf ihre Tätigkeiten vorbereitet (Konzept, Ziele und Inhalte des Griffbereit-Programmes[1]). Um eine hohe Qualität in der Umsetzung der Griffbereit-Gruppe zu sichern, sollten die Elternbegleiter*innen fortlaufend Weiterbildungen zu folgenden Themen angeboten bekommen:

  • Sensibilisierung für Diversität
  • Entwicklungspsychologie der frühen Kindheit
  • Sprachliche Entwicklung von Kindern
  • Förderung von Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache
  • Interkulturelle Kommunikation und Konfliktbearbeitung
  • Methoden der Gruppenleitung und –führung

Weitere Themen, die die Arbeit in der Griffbereit-Gruppe unterstützen können, sind:

  • Erziehungsvorstellungen und -stile
  • Vorlesetechniken
  • Mehrsprachige Erziehung
  • Sprache und Bewegung
  • Gesunde Ernährung
  • Medienerziehung
  • Kinderkrankheiten
  • Themen, die sich aus den Fragen der Eltern/Familien ergeben

Auch ist eine regelmäßige Begleitung der Elternbegleiter*innen erforderlich, um Austausch, Reflexion und Auswertung sowie Vor- und Nachbereitung der Gruppenarbeit zu ermöglichen. Je nach Elternbegleiter*in ist eine engere Anleitung für die Durchführung des Programms notwendig bzw. erwünscht. Nach der Einführung in das Programm sollte spätestens alle sechs Wochen ein Erfahrungsaustausch, wenn möglich mit anderen Elternbegleiter*innen, stattfinden.

Die Anleitung sollte durch eine professionelle Fachkraft erfolgen, die pädagogisch und interkulturell qualifiziert ist, Kompetenz in der Theorie und praktischen Arbeit der Mehrsprachigkeit und Erfahrungen und Kenntnisse in der Arbeit mit Eltern/Familien mit internationaler Familiengeschichte hat.

Die Anleitung übernimmt die Einweisung in das Programm, die Begleitung bei der Ansprache und Zusammensetzung einer Griffbereit-Gruppe, ggf. die Ansprache und Absprachen mit den pädagogischen Fachkräften der Einrichtung, die wöchentliche Anleitung der (ungelernten) Elternbegleiter*innen und die Fortbildung von Elternbegleiter*innen und pädagogischen Fachkräften.

[1] Weitere inhaltliche Schwerpunkte sind: Die Rolle als Elternbegleiter*in, die Griffbereit-Materialien, die praktische Umsetzung, Reflexion, Erziehungsthemen, Gestaltung von Elternabenden, usw.

 

Zur Werkzeugleiste springen