Umsetzung Rucksack KiTa

Umsetzung Rucksack KiTa

Die Umsetzung wird in Nordrhein-Westfalen seit 1998 durch die Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI) gesteuert und begleitet. Seit 2018 verantwortet die LaKI auch die systematische bundesweite Ausweitung, die durch die Auridis gGmbH gefördert wird. Es gibt inzwischen bundesweit bereits mehr als 690 Rucksack KiTa-Gruppen. Das Programm wird auch in weiteren europäischen Ländern erfolgreich umgesetzt.

Rahmenbedingungen / Kooperation

Zur Durchführung von Rucksack KiTa müssen interessierte Träger eine Kooperationsvereinbarung mit der Landesweiten Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (LaKI) NRW, sofern noch keine eigene Landeskoordinierungsstelle im Bundesland besteht. Danach erhalten sie das Rucksack KiTa-Materialpaket kostenfrei als PDF-Datei. Durch die Vereinbarung verpflichten sich die Träger, die Qualitätsstandards des Programms einzuhalten. Der Träger vor Ort finanziert die Programmdurchführung sowie Schulung, Honorar und Anleitung der Elternbegleiter*innen. Die bei der LaKI angesiedelte bundesweite Koordinierungsstelle koordiniert und/oder begleitet das Programm bundesweit auch in Kooperation mit anderen Ämtern und Trägern und bietet Informationsveranstaltungen sowie Schulungen an. Angestrebt ist die Etablierung von Landeskoordinierungsstellen in jedem Bundesland, in dem das Programm Anwendung findet, um eine gezielte Begleitung der Arbeit vor Ort zu gewährleisten.

Die Rucksack KiTa-Materialien

Das mehrsprachige Gesamtpaket besteht aus:

  • Handbuch für die Elternbegleitung zur Vorbereitung und Durchführung der Elterngruppe
  • Handbuch für die Eltern/Familien[1] (Elternmaterial) mit der Beschreibung des Programms und der Aktivitäten, die die Eltern/Familien mit Hilfe der Elternbegleitung einüben und mit ihren Kindern durchführen. Übersetzungen liegen in Albanisch, Arabisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Griechisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch, Russisch, Serbisch, Spanisch, Tschetschenisch und Türkisch vor.
  • Übungsblätter für die Aktivitäten der Eltern/Familien mit ihren Kindern zu Hause
  • Handbuch für die pädagogischen Fachkräfte zur parallelen Förderung der Kinder in Deutsch
  • Fortbildungskonzept Medienbildung

Darüber hinaus gibt es Projektthemen, welche gemeinsam von den Familien und der Kindertageseinrichtung erarbeitet und vorbereitet werden können.

Die Materialien werden stets -orientiert an den Kindern, Eltern/Familien und Einrichtungen- weiterentwickelt und weitere Übersetzungen werden gemäß migrationsgesellschaftlicher Entwicklungen ergänzt. Trotz thematischer Vorgaben ist das Programm offen und flexibel, die Umsetzung ist mit verschiedenen pädagogischen Konzepten und der alltagsintegrierten Sprachbildung kompatibel.

[1] Rucksack KiTa besteht aus zwölf Themen, welche für jeweils drei Wochen behandelt werden können: Der Körper, die Kleidung, die Kindertageseinrichtung, die Gruppe, draußen spielen, die Bewegung, zu Hause, Essen und Trinken, die Familie, Unterwegs, die Tiere und Medienerziehung.

Organisatorische und zeitliche Rahmenbedingungen

Familien sollen früh an das Bildungssystem herangeführt werden und die Bildungsinstitution (selbst) erleben und mitgestalten – daher sieht Rucksack KiTa keine Hausbesuche vor, sondern findet dezidiert in der Bildungsinstitution statt. Die KiTa wird im Rahmen von Rucksack KiTa verantwortlich in die parallele Förderung der deutschen Sprache einbezogen, denn hier erfolgt die sprachbildende Arbeit in Abstimmung zu der Arbeit mit den Eltern/Familien.

Es wird so eine Bildungs- und Erziehungspartnerschaft aufgebaut, die auch die migrationsgesellschaftliche Öffnung der Einrichtungen unterstützt. Aus diesen Gründen ist die Anbindung an eine Kindertageseinrichtung oder ein Familienzentrum grundlegende Bedingung für die Durchführung des Programms.

Eine gelebte und auf Partizipation basierende Bildungs- und Erziehungspartnerschaft im Rahmen von Rucksack KiTa bedeutet für die Familien:

  • die Qualifizierung von Eltern/Familien mit internationaler Familiengeschichte zur Gruppenleitung (Elternbegleitung)
  • eine Rucksack-Elterngruppe unter Anleitung durch die/den Elternbegleiter*in
  • gemeinsame Eltern-Kind-Aktivitäten zu Hause, auch mit der ganzen Familie
  • abgestimmte Rucksack-Aktivitäten für Kinder und Familien in der Bildungsinstitution

Die Kindertageseinrichtung ist zuständig für:

  • die alltagsintegrierte, mehrsprachige Sprachbildung in einem koordinierten Konzept
  • die gezielte Initiierung und Begleitung von Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Familien
  • die migrationsgesellschaftliche Öffnung der Institution und eines diversitätsbewussten Bildungskonzeptes

Die verschiedenen Lebenswelten des Kindes (Familie und KiTa) werden dabei bewusst in die Arbeit einbezogen.

Kooperationspartner in der Gesamtumsetzung des Programms können Vereine, Wohlfahrtsverbände, Träger der Kinder- und Jugendhilfe, Familienbildungsstätten und auch Migrantenselbstorganisationen (MSO) sein.

Die Rucksack-Elterngruppe trifft sich für die Dauer eines Kindergartenjahres in der KiTa und führt gemeinsam mit der Elternbegleitung Aktivitäten durch, welche von den teilnehmenden Eltern/Familien zu Hause mit den Kindern in der/den Familiensprache(n) wiederholt und vertieft werden können. Gleichzeitig – inhaltlich abgestimmt – unterstützt die KiTa durch alltagsintegrierte Angebote die (mehrsprachige) Sprachbildung der Kinder. Die Elternbegleitung und die pädagogischen Fachkräfte werden dabei von der/den zuständigen Koordinatorin/Koordinatoren begleitet und qualifiziert.

Der Träger des Rucksack KiTa-Programmes ermöglicht den pädagogischen Fachkräften bedarfsgerechte Fortbildungen, um ihre Kompetenz für Mehrsprachigkeit, durchgängige Sprachbildung, Förderung des Deutschen, Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern/Familien u.v.m. zu erweitern und den Aufbau eines vorurteilsbewussten Konzepts der Einrichtung zu verwirklichen. Es empfiehlt sich, einige Bausteine der Qualifizierung gemeinsam mit der Elternbegleitung und den pädagogischen Fachkräften durchzuführen.

Darüber hinaus finden regelmäßig bundesweite Tagungen bzw. Arbeitskreise statt, bei denen der Austausch im Vordergrund steht.

 

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