{"id":2968,"date":"2020-09-15T12:14:51","date_gmt":"2020-09-15T10:14:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/?page_id=2968"},"modified":"2020-09-15T12:35:21","modified_gmt":"2020-09-15T10:35:21","slug":"diversitaet","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/diversitaet\/","title":{"rendered":"Diversit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong>Daten und Fakten, Chancen und Herausforderungen und die Bedeutsamkeit einer diversit\u00e4tsbewussten, diskriminierungskritischen Haltung in der Zusammenarbeit mit Kindern und Familien<\/strong><\/p>\n<p>In Deutschland haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten unterschiedliche Entwicklungen dazu beigetragen, dass die Gesellschaft immer vielf\u00e4ltiger geworden ist bzw. bewusst so wahrgenommen wird. Durch die Globalisierung, Migrationsbewegungen und soziokulturelle Ver\u00e4nderungen, die vor allem eine ethnische, sprachliche und religi\u00f6se Pluralisierung nach sich gezogen haben, ist <strong>Diversit\u00e4t <\/strong>oder Vielfalt <strong>gesellschaftliche Realit\u00e4t<\/strong> und muss in jeglichen Bereichen ber\u00fccksichtigt werden. Im Laufe der Jahrzehnte hat auch die Individualit\u00e4t an Bedeutung gewonnen und die M\u00f6glichkeiten der individuellen Lebensgestaltung werden immer vielf\u00e4ltiger, so dass auch Lebensformen und -gemeinschaften, Werte, Normen und Orientierungen eine gro\u00dfe Vielfalt widerspiegeln, w\u00e4hrend \u00e4u\u00dfere Zw\u00e4nge und Konventionen an Bedeutung verlieren.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund gilt es als gesellschaftliche Aufgabe, der Diversit\u00e4t, insbesondere im Bereich der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik, mit Chancengerechtigkeit zu begegnen und gleichberechtigte Teilhabe zu gew\u00e4hrleisten. Denn auch wenn sich Begriffe wie Vielfalt, Heterogenit\u00e4t oder Diversit\u00e4t in den letzten Jahren zu positiv besetzten Begriffen entwickelt haben (vgl. Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung 2012), werden Vielfaltsaspekte noch lange nicht gleichwertig behandelt. Ungleichheitserfahrungen und Diskriminierungen finden allt\u00e4glich statt und insbesondere die Bildungschancen von Kindern h\u00e4ngen ma\u00dfgeblich davon ab, welche Ressourcen Kindern im famili\u00e4ren Umfeld zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Somit stellen sich folgende Fragen:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Was ist Diversit\u00e4t und welche Merkmale m\u00fcssen gesellschaftlich im Kontext von Ungleichbehandlung diskutiert werden? Wie ist der Zusammenhang zwischen Diversit\u00e4t und Macht\/Privilegien? Wo liegen Spannungen und Diskrepanzen zwischen Forderungen und Gesetzen auf der einen Seite und (Alltags-)Diskriminierung und Ungleichheiten auf der anderen Seite?<\/p>\n<p>Was bedeutet Diversit\u00e4t im Kontext der fr\u00fchen Kindheit und P\u00e4dagogik?\u00a0 Welche Bedeutung hat ein diversit\u00e4tsbewusstes und diskriminierungskritisches Denken und Handeln f\u00fcr das Aufwachsen von Kindern?<\/p>\n<p>Was sind die Herausforderungen f\u00fcr p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte und f\u00fcr die Zusammenarbeit mit Kindern und Familien?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was ist Diversit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Reflexion<\/em><\/strong>: Woran denken Sie spontan, wenn Sie an Diversit\u00e4t oder Vielfalt denken? Welche Bilder, Menschen oder Merkmale haben Sie im Kopf? Welche Gef\u00fchle l\u00f6sen diese bei Ihnen aus? In welchen Momenten oder Situationen nehmen Sie Vielfalt bewusst wahr?<\/p>\n<p>Wenn von Diversit\u00e4t oder Vielfalt die Rede ist, wird dies meist verkn\u00fcpft und assoziiert mit unterschiedlichen *Kulturen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, Sprachen, des Hauttons oder der Herkunft in Verbindung mit \u00e4u\u00dferen Merkmalen, die sich von der gesellschaftlich konstruierten und privilegierten \u201eNorm\u201c unterscheiden. D.h. Diversit\u00e4t kann zun\u00e4chst einmal nicht absolut definiert werden, sondern immer nur in Bezug auf ein Merkmal oder in Relation zu oder mit etwas, das als \u201enormal\u201c wahrgenommen wird. Bei der Betrachtung von Diversit\u00e4t k\u00f6nnen also vielf\u00e4ltigste Aspekte von Bedeutung sein, die sich in unterschiedliche Dimensionen unterteilen lassen, denn jeder Mensch definiert sich nicht durch \u00e4u\u00dfere Merkmale oder durch kollektive Zugeh\u00f6rigkeiten, sondern ganz unterschiedliche Aspekte machen die einzigartige Identit\u00e4t jedes Menschen aus.<\/p>\n<p>Im Zentrum jedes Menschen befindet sich die <strong>Pers\u00f6nlichkeit<\/strong>, d.h. der Charakter und die einzigartigen psychologischen Merkmale eines Individuums (vgl. Sielert et al 2009, S. 137), die Verhaltensmuster in jeglichen Situationen beeinflussen. Man spricht auch von der Kernidentit\u00e4t, die zwar als relativ stabil angesehen wird, aber nicht losgel\u00f6st von \u00e4u\u00dferen kulturellen und sozialen Normen und Einfl\u00fcssen betrachtet werden kann. Als <strong>innere Dimension<\/strong> oder auch Kerndimensionen von Diversit\u00e4t werden Merkmale bezeichnet, die vom Individuum als relativ unver\u00e4nderbar gelten und deshalb auch in entsprechenden Gleichbehandlungsgesetzen ber\u00fccksichtigt werden (vgl. AGG). Hierzu z\u00e4hlen das Alter, das Geschlecht, die sexuelle Orientierung, physische\/psychische F\u00e4higkeiten (Behinderung), die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit und die Hautfarbe, die als die sechs Hauptmerkmale der inneren Dimension betrachtet werden (vgl. Benbrahim 2012, S.8). Diese Merkmale pr\u00e4gen den Lebensweg und Sozialisationsprozess entscheidend und sind bedeutsam f\u00fcr das Selbstbild und die Rolle und Teilhabe innerhalb eines gesellschaftlichen Kontextes. Die <strong>\u00e4u\u00dfere Dimension<\/strong> bezeichnet Bereiche, die sich im Laufe des Lebens ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, d.h. die Individuen verlieren oder hinzugewinnen, verbessern oder einfach \u00e4ndern k\u00f6nnen, teilweise durch bewusste Entscheidungen, teilweise aber auch unter starkem Einfluss durch Merkmale der inneren Dimension. Hierzu z\u00e4hlen z.B. das Einkommen, der Familienstand, die Sprache, die Bildung, der Wohnort\/geographische Lage, Gewohnheiten, Freizeitverhalten, die Konfession\/Religion<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> usw.<\/p>\n<p>Einerseits beschreibt Diversit\u00e4t also Unterschiede, die jeden Menschen zu einmaligen Individuen machen und die in Charaktereigenschaften, Verhaltensweisen, Kompetenzen usw. zum Ausdruck kommen. Diese Individualit\u00e4t wird aber meistens missachtet, da Diversit\u00e4t andererseits in erster Linie in kollektiven Gruppen gedacht wird, verbunden mit pauschalen Zuschreibungen, Erwartungen, Vorurteilen und Stereotypen. Denn nach wie vor ist Diversit\u00e4t keine gesellschaftliche \u201eNormalit\u00e4t\u201c und gleichwertige Tatsache, sondern manche Merkmale sind mit Macht und Privilegien verkn\u00fcpft und werden als Selbstverst\u00e4ndlichkeit wahrgenommen (Wei\u00df-Sein, Ein-Sprachigkeit<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, ohne *Migrationshintergrund, Mutter-Vater-Kind-Familie, keine Behinderung usw.), w\u00e4hrend Abweichungen als \u201eanders\u201c markiert werden und keine gleichwertige Behandlung erfahren. <strong>Nicht jeder Unterschied ist also gleich folgenreich<\/strong>, deshalb muss Diversit\u00e4t in Verbindung mit Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit und dem Hinterfragen von Normalit\u00e4tsmustern betrachtet und bearbeitet werden. Nicht die gesellschaftliche Diversit\u00e4t an sich ist die Herausforderung, sondern die ungleiche Bewertung der Unterschiede ist das Problem, weshalb in Folgendem jene Unterschiede betrachtet werden, die unterschiedliche Auswirkungen auf den Bildungs- und Lebensweg haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Neben den reellen gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen, die die Aufmerksamkeit f\u00fcr Diversit\u00e4t erh\u00f6ht haben, ist in den letzten Jahren auch das Bewusstsein die f\u00fcr die Diskriminierung bestimmter Gruppen und die enorme Chancenungleichheit (z.B. im deutschen Bildungssystem) gestiegen. Diese wurde z.B. durch Ergebnisse der PISA-Leistungsvergleich-Studie sichtbar, die verdeutlichte, dass ein enger Zusammenhang zwischen dem famili\u00e4ren Hintergrund und den schulischen Leistungen bzw. dem Bildungsweg von Kindern besteht (vgl. Diehm 2020, S.13). Seitdem werden unterschiedliche Strategien, Programme und Ma\u00dfnahmen entwickelt, Ungleichheiten bereits in der fr\u00fchen Kindheit zu kompensieren.<\/p>\n<p>Doch bevor der Bereich der fr\u00fchen Kindheit genauer beleuchtet wird und welche Bedeutsamkeit Diversit\u00e4t im Aufwachsen von Kindern einnimmt, soll zun\u00e4chst kurz dargestellt werden, wie sich Diversit\u00e4t faktisch in Bezug auf ausgew\u00e4hlte Merkmale in Deutschland zeigt.<\/p>\n<p>Nachdem Deutschland lange Zeit abgestritten hat, ein Einwanderungsland zu sein (vgl. Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung 2012) und z.B. auf Migration (und in diesem Zusammenhang auf <a href=\"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/mehrsprachigkeit\/\">Mehrsprachigkeit<\/a>) im Bildungsbereich nur als vor\u00fcbergehendes \u201ePh\u00e4nomen\u201c reagiert hat, sollte die Pluralisierung und \u201eDeutschland als Einwanderungsland\u201c mittlerweile als Tatsache anerkannt sein und wird auch in nahezu allen Bildungspl\u00e4nen als gesellschaftliche Grundsituation betrachtet (vgl. Sulzer 2013).<\/p>\n<p>Im Jahr 2018 hatten in Deutschland rund 25 Prozent der Bev\u00f6lkerung, d.h. insgesamt rund 20,8 Millionen Menschen, also jede*r vierte der rund 82 Millionen Einwohner*innen einen *Migrationshintergrund (vgl. StBA 2019). Laut Definition werden hiermit alle nach 1949 in die Bundesrepublik Zugewanderten, alle in Deutschland geborenen Ausl\u00e4nder*innen und als in Deutschland als Deutsche geborene mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausl\u00e4nder*innen geborenen Elternteil bezeichnet. Einen *Migrationshintergrund hat eine Person also, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit nicht durch die Geburt besitzt (vgl. StBA 2019). Bei den Kindern unter 10 Jahren liegt der Anteil bei 40 Prozent, d.h. fast doppelt so hoch, wobei ein Gro\u00dfteil der Kinder keine direkte Migrationserfahrung besitzt, sondern in Deutschland geboren ist und der zweiten oder dritten \u201eMigrationsgeneration\u201c angeh\u00f6rt (vgl. Sulzer 2013).<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Je j\u00fcnger die Altersgruppe, desto h\u00f6her ist der Anteil der Menschen mit *Migrationshintergrund, was sich auch in der Kindertagesbetreuung widerspiegelt, wo knapp ein Drittel der Kinder zwischen drei Jahren und dem Schuleintritt im Jahr 2018 einen *Migrationshintergrund besa\u00df. Rund zwei Drittel dieser Kinder sprechen zu Hause vorwiegend eine andere Familiensprache als Deutsch, was bedeutet, dass mehr als jedes f\u00fcnfte Kind in der KiTa mehrsprachig aufw\u00e4chst (vgl. Olszenka\/Meiner-Teubner 2020). Wenn man die Familien als Gesamtheit betrachtet, haben hiervon rund ein Drittel einen *Migrationshintergrund (vgl. BMFSJ 2017).<\/p>\n<p>Familien haben sich in den letzten Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht pluralisiert. Auch wenn die Familienform der verheirateten Eltern mit Kindern nach wie vor am weitesten verbreitet ist (im Jahr 2015 gab es acht Millionen Familien mit minderj\u00e4hrigen Kindern im Haushalt, von denen die Familienform der verheirateten gegengeschlechtlichen Eltern mit 5,5 Millionen die h\u00e4ufigste Lebensform war) (vgl. BMFSFJ 2017a), ist die Zahl zur\u00fcckgegangen, w\u00e4hrend die Anzahl von Lebensgemeinschaften und Alleinerziehenden, Regenbogen- und Patchworkfamilien gestiegen ist. Zudem k\u00f6nnen seit Oktober 2017 auch gleichgeschlechtliche Paare eine Ehe miteinander eingehen, was nicht nur einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung bedeutet, sondern auch bewusst machen sollte, dass \u201eFamilie\u201c nicht als vorgegebene Konstellation zu denken und definieren ist, sondern in vielf\u00e4ltigster Weise gelebt wird.<\/p>\n<p>Allerdings bestehen Zusammenh\u00e4nge zwischen Familien- und Lebensformen und der sozio\u00f6konomischen Lage bzw. dem Armutsrisiko. In Deutschland ist ca. jedes f\u00fcnfte Kind einem Armutsrisiko ausgesetzt und die Haushalte Alleinerziehender sind sogar zu 44 Prozent von Armut bedroht (vgl. BMFSFJ 2017), was bedeutet, dass ihr Armutsrisiko ca. vier Mal so hoch ist, wie bei Paarfamilien. Ebenso bedroht sind Familien mit drei und mehr Kindern und die Ursachen liegen h\u00e4ufig in der geringen oder fehlenden Erwerbst\u00e4tigkeit der Eltern, Abh\u00e4ngigkeit von Transferleistungen und generell prek\u00e4ren Lebenslagen. Die ganz unterschiedlichen Lebenslagen und Ressourcen von Familien wirken sich auch auf die (Bildungs-)Chancen und Teilhabem\u00f6glichkeiten der Kinder aus, weshalb die Kindertagesbetreuung l\u00e4ngst nicht mehr nur den Eltern die Erwerbst\u00e4tigkeit erm\u00f6glicht, sondern enorme positive Effekte auf die Entwicklung, die Bildungschancen und das Wohlergehen von Kindern haben kann und Chancenungleichheiten kompensieren kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gleichheit und Verschiedenheit<\/strong><\/p>\n<p>Wie dargestellt ist Diversit\u00e4t Realit\u00e4t und Menschen unterscheiden sich sowohl individuell, als auch hinsichtlich ihrer Gruppenzugeh\u00f6rigkeiten. Diese <strong>Verschiedenheit<\/strong> aller Menschen kann aber nicht ohne <strong>Gleichheit<\/strong> gedacht werden, denn was alle Menschen gemeinsam haben, unabh\u00e4ngig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion usw. sind die <strong>gleichen Rechte. Jedes Kind wird mit den gleichen Rechten auf Schutz, Teilhabe und Bildung geboren, <\/strong>was in unterschiedlichen Gesetzen und Konventionen (z.B. der UN-Kinderrechtskonvention) festgehalten ist und somit die Grundlage jeglichen Umgangs mit Diversit\u00e4t sein sollte. Die Menschenrechte sind die universelle Orientierung, vor dessen Hintergrund Diversit\u00e4t und der gesellschaftliche Stellenwert der unterschiedlichen Merkmale konsequent reflektiert und angepasst werden muss. Denn nach wie vor wirken Vielfaltsmerkmale stark auf die Lebensverh\u00e4ltnisse, Chancen und Teilhabem\u00f6glichkeiten der Menschen ein, die individuelle Vielfalt innerhalb von Gruppierungen wird missachtet und nicht reelle Unterschiede, sondern Vorurteile und Zuschreibungen bestimmen Wahrnehmung und Umgang mit Diversit\u00e4t. So sollte das Ziel eine <strong>\u201eegalit\u00e4re Differenz\u201c<\/strong> sein, d.h. ein gleichwertiger Umgang mit Vielfalt, wie es Annedore Prengel (vgl. Prengel 2010) mit dem Konzept der P\u00e4dagogik der Vielfalt fordert. Verschiedenheit muss nicht nur als gleichwertig anerkannt und respektiert werden, sondern kann nur durch das Verh\u00e4ltnis von Gleichheit (=gleiche Rechte) und Verschiedenheit zur Freiheit f\u00fchren, die so aussieht, dass alle Menschen sich in ihrer Vielfalt auf der Basis gleicher Rechte frei entfalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Viele Begriffe, die im Kontext von Diversit\u00e4t allt\u00e4glich gebraucht werden \u2013 beispielsweise *Kultur, *Migrationshintergrund, *Nationalit\u00e4t, *Nation \u2013 sind h\u00e4ufig mit kollektiven Zuschreibungen, unreflektierten Assoziationen, Vorurteilen und \u00c4u\u00dferlichkeiten verkn\u00fcpft und entfernen sich im Alltagsdiskurs somit von der eigentlichen Definition. Im Folgenden wird all diesen Begrifflichkeiten ein sog. *Stolpersternchen vorangestellt (vgl. Ali-Tani 2019), der bewirken soll, dass man \u00fcber die Begriffe \u201estolpert\u201c und sprachsensibler wird bzw. reflektiert, wann, warum und mit welcher Intention man diese Begriffe verwendet und wen man hiermit anspricht. Der hier konkret markierte Begriff *Kultur ist fragw\u00fcrdig, weil es oftmals mit *Nationalkulturen gleichgesetzt wird. Solche homogenen Konstruktionen sind nicht zeitgem\u00e4\u00df, denn *Kultur umfasst Normen, Werte, Einstellungen, Traditionen, Sprache, \u00dcberzeugungen, Werte und viele weitere Aspekte, die f\u00fcr Menschen in dem jeweiligen Kontext und Alltagsleben zentral sind und die in einem dynamischen und interaktiven Prozess herausgebildet werden. Jede Familie bildet ihre individuelle Familienkultur heraus und Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich nicht \u00fcber die Herkunft o.\u00c4. bestimmen, sondern \u00fcber Lebensstile, Wertevorstellungen, \u00e4sthetische Vorlieben usw. (vgl. Sulzer 2013).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Religion als Diversit\u00e4tsmerkmal bildet eine Ausnahme und kann auch zur inneren Dimension gez\u00e4hlt werden, da sie nicht immer frei w\u00e4hlbar ist und ein rechtliches Verbot der Benachteiligung besteht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> In Bezug auf die Sprachkompetenzen als auch die Herkunft kann man nicht von genereller Abwertung oder andererseits Privilegien sprechen, sondern es sind spezifische L\u00e4nder und spezifische Sprachen, die als defizit\u00e4r wahrgenommen werden, so dass beispielsweise englisch und franz\u00f6sisch als Ressourcen und wertvolle (Fremdsprachen-)Kompetenzen angesehen werden, w\u00e4hrend t\u00fcrkisch oder arabisch nicht gleicherma\u00dfen anerkannt werden, sondern defizit\u00e4r gelten und meist zu Integrations-\/Anpassungsleistungen auffordern.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Die Verwendung des Begriffes \u201eMigrationshintergrund\u201c ist m.E. insofern kritisch zu sehen, da er alltagssprachlich und im \u00f6ffentlichen Diskurs nur auf bestimmte Nationen und \u00e4u\u00dfere Merkmale (Haar-\/Hautfarbe, Sprache, Namen\u2026) fokussiert wird und unabh\u00e4ngig von der Migrationserfahrung Menschen stigmatisiert, pauschalisiert und abwertet.<\/p>\n\t<p><strong>Was macht es so schwierig? Beispiel: Die \u201eandere\u201c *Kultur<\/strong><\/p>\n<p>Die bereits beschriebene Globalisierung und Pluralisierung der Gesellschaft f\u00fchrt bei vielen Menschen zu Verunsicherungen: Unterschiede k\u00f6nnen Irritationen, \u00c4ngste oder auch Abwehr hervorrufen. Zudem funktioniert das menschliche Denken durch Kategorisierungen, wodurch eine schnelle Orientierung, Einsch\u00e4tzung und Handlungsf\u00e4higkeit m\u00f6glich ist, was eine n\u00fctzliche und nat\u00fcrliche Reaktion darstellt. Diese Einordnung passiert aber auch \u2013 und dies meistens unbewusst \u2013 bei jeder Begegnung mit Menschen: Durch die Einsch\u00e4tzung des Alters, die Wahrnehmung des Geschlechts und anderer \u00e4u\u00dferer Merkmale machen wir uns schnell ein Bild von Anderen, ordnen sie ein und beurteilen. Dies ist insofern problematisch, da die Wahrnehmung meistens durch Vorurteile und stereotype Vorstellungen gepr\u00e4gt ist, wodurch Menschen nicht als Individuen mit vielf\u00e4ltigen Zugeh\u00f6rigkeiten wahrgenommen werden, sondern mit Erwartungen und Zuschreibungen konfrontiert werden, die diskriminierend sein k\u00f6nnen. So wird der sogenannte \u201e*Migrationshintergrund\u201c beispielsweise in der allt\u00e4glichen Praxis haupts\u00e4chlich mit \u00e4u\u00dferen Merkmalen in Verbindung gebracht, verbunden mit defizit\u00e4ren Zuschreibungen. Oftmals wird die Zuschreibung pauschal verkn\u00fcpft mit einer anderen *Kultur, wobei *Kultur mit *Nationalit\u00e4t gleichgesetzt wird. Dies wird weder den individuellen Erfahrungen von Kindern und Familien innerhalb eines gesellschaftlichen Kontextes gerecht, noch der Realit\u00e4t einer globalisierten Welt, in der sich \u201ekulturelle\u201c eingegrenzte R\u00e4ume zunehmend aufl\u00f6sen und die \u201einnere\u201c Zusammensetzung von Nationen nicht homogen betrachtet werden kann (vgl. K\u00f6lsch-Bunzen et al 2015). Insbesondere Kinder, die meist keine eigene Migrationserfahrung besitzen, werden h\u00e4ufig als Repr\u00e4sentant*innen eines Herkunftslandes oder einer \u201eanderen\u201c *Kultur behandelt, was ihrer Lebens- und Alltagswelt nicht gerecht wird. Um diese Aspekte in der Praxis aufzugreifen, sollte eine vielfalts- und kultursensible Haltung, orientiert an Demokratie und Menschenrechten und mit einer klaren antidiskriminierenden Position gelebt werden, ausgehend von einem dynamischen *Kulturbegriff, der jede einzelne Familie in ihrer Lebenslage wahrnimmt und innerhalb eines Kontextes vielf\u00e4ltige gelebte Familienkulturen zul\u00e4sst. Das \u201eKulturelle\u201c sollte als Bestandteil jeder Praxis gesehen werden, da es sich immer um die spezifische Lebensform handelt, die sich in Traditionen, Sprachen, Wertevorstellungen, Umgangsformen, Normen und Regeln \u00e4u\u00dfert und bei jeder Familie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu der eigenen aufweisen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet Diversit\u00e4t im Aufwachsen von Kindern und warum ist es so wichtig, sich hierf\u00fcr zu sensibilisieren?<\/strong><\/p>\n<p>Obwohl alle Kinder das Recht auf Bildung, Teilhabe und Schutz vor Diskriminierung haben, werden (Bildungs-)Ungleichheiten, z.B. aufgrund der ethnischen Herkunft, schon fr\u00fch gelegt. Der Bildungserfolg von Kindern h\u00e4ngt ma\u00dfgeblich von der sozialen Herkunft ab und insbesondere Kinder aus sozio\u00f6konomisch benachteiligten und\/oder eingewanderten Familien sind besonders benachteiligt und wissenschaftliche Studien belegen immer wieder die Bedeutung der famili\u00e4ren Herkunft f\u00fcr die Bildungschancen von Kindern (vgl. BMFSFJ 2016). Kinder weisen vielf\u00e4ltige Identit\u00e4tsbez\u00fcge auf, unterscheiden sich durch Familienformen, Geschlecht, Alter, Herkunft, Sprache, die zu Hause gelebten Familienkulturen und machen dementsprechend auch schon fr\u00fch Erfahrungen mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Der Kindertageseinrichtung (KiTa) kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Verantwortung zu, denn eine fr\u00fche institutionelle Betreuung kann Bildungschancen verbessern und Nachteile ausgleichen. Gleichzeitig ist aber auch die KiTa ein gesellschaftlich gepr\u00e4gter Ort, an dem eine bestimmte Alltagskultur (Erziehungsvorstellungen, Regeln, Tagesabl\u00e4ufe usw.) gelebt wird, an die die Kinder in ihrer Vielfalt ganz unterschiedlich ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen und wo nicht alle Kinder ihre Familienkultur widergespiegelt sehen. Kinder, deren Familienkulturen hohe \u00dcbereinstimmungen mit der institutionellen Kultur aufweisen, k\u00f6nnen in der Regel viel einfacher auf Bildungsgelegenheiten zur\u00fcckgreifen, w\u00e4hrend Kinder, die nichts oder weniger Vertrautes vorfinden, es schwieriger haben. \u00a0Die Familie ist der erste Bezugsrahmen eines Kindes: Was es dort erlebt, wie dort miteinander gesprochen und umgegangen wird, ist vertraut und selbstverst\u00e4ndlich. Damit jedes Kind sich entfalten kann, selbstbewusst, autonom und kompetent den eigenen Lebensweg und Bildungsweg beschreiten kann und sich zu einer selbstbewussten Pers\u00f6nlichkeit entwickeln kann, ist es von enormer Bedeutung und eine Voraussetzung, dass jedes Kind nicht nur als Individuum anerkannt und wertgesch\u00e4tzt wird, sondern auch <strong>in Bezug auf seine Familienkultur positive Resonanz erf\u00e4hrt<\/strong>. Ebenso wichtig ist es, Kinder nicht auf einen Aspekt ihrer Identit\u00e4t zu reduzieren (\u201eKind mit einer Behinderung\u201c, Kind mit *Migrationshintergrund\u201c usw.), sondern sowohl die vielf\u00e4ltigen Lebenswelten, als auch die <strong>Zugeh\u00f6rigkeiten in ihrer Gesamtheit<\/strong> wahrzunehmen. Gleichzeitig ist es nach wie vor erforderlich, bestimmte Diversit\u00e4tsmerkmale nicht zu leugnen, sondern aufmerksam f\u00fcr Diskriminierungen zu sein, um Kinder bestm\u00f6glich vor Erfahrungen der Abwertung zu sch\u00fctzen und zu st\u00e4rken. Denn auch wenn die KiTa ein Ort ist, an dem Diversit\u00e4t selbstverst\u00e4ndlich vorhanden ist, gen\u00fcgt in einem gesellschaftlichen Kontext, der auf allen Ebenen implizite und explizite Botschaften \u00fcber Wertigkeiten von Diversit\u00e4t sendet, der blo\u00dfe Kontakt unter Kindern nicht aus, sondern es bedarf gezielter und aktiver Interventionen seitens der Erwachsenen, damit Unterschieden mit Respekt, Wertsch\u00e4tzung begegnet wird und der Vorurteilsentwicklung vorgebeugt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Reflexionsfragen:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Was ist das Besondere an meiner eigenen Familienkultur? Wie bin ich aufgewachsen und gro\u00df geworden? Welche Werte, Traditionen und Rituale wurden mir vermittelt? Welche Vorstellungen \u00fcber das Verh\u00e4ltnis der Generationen zueinander und welche Rollenbilder wurden mir vermittelt?<\/p>\n<p>Was wei\u00df ich \u00fcber das Familienleben der Menschen und Kinder, mit denen ich Zeit verbringe\/arbeite?<\/p>\n<p>Welche Verhaltensweisen irritieren mich im Kontakt mit anderen Familien? Wie bewerte und beurteile ich dies und was sagt es \u00fcber mein Normalit\u00e4tsverst\u00e4ndnis aus?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet das f\u00fcr p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte?<\/strong><\/p>\n<p>P\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte, die z.B. in der KiTa tagt\u00e4glich viel Zeit mit Kindern verbringen, stellen f\u00fcr diese wichtige Bezugspersonen dar. Die Herausforderung, die sich im Alltag und den Interaktionen mit Kindern stellt, ist es, trotz gleicher Abl\u00e4ufe und institutioneller Regeln und Vorgaben, <strong>allen Kindern in ihrer Diversit\u00e4t gerecht zu werden<\/strong>, so dass kein Kind durch ein Merkmal seiner Pers\u00f6nlichkeit Nachteile erf\u00e4hrt. Diese Aufgabe ist ein st\u00e4ndiger Prozess und erfordert immer wieder aufs Neue, das Denken und Handeln zu reflektieren und zu flexibilisieren und die Wahrnehmung auf Vorurteile und stereotype Erwartungen zu \u00fcberpr\u00fcfen. Denn nicht nur die Kinder und Familien sind vielf\u00e4ltig, sondern jede Fachkraft bringt ihre eigene Familienkultur und damit einhergehend ein bestimmtes Normalit\u00e4tsverst\u00e4ndnis mit ein, das gegebenenfalls zu einseitigen Sichtweisen und ungerechten Behandlungen f\u00fchren kann oder aber Kinder durch Zuschreibungen in ihren Entfaltungsm\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hat die Fr\u00fchp\u00e4dagogik, insbesondere im Umgang mit Diversit\u00e4t, eine lange Tradition der Defizitorientierung und der Vorstellung von \u201enormalen\u201c Entwicklungsverl\u00e4ufen. Und in Bezug auf Unterst\u00fctzung, F\u00f6rderung und jegliche Form von zus\u00e4tzlichen Ressourcen ist es nach wie vor so, dass diese erst dann gew\u00e4hrleistet werden, wenn vermeintliche Defizite festgestellt und diagnostiziert werden. Kindern wird also meist eher vermittelt, was sie (noch nicht) k\u00f6nnen, anstatt den Fokus auf Ressourcen und St\u00e4rken zu legen. Diversit\u00e4tsbewusstes Handeln bedeutet also auch, dieses Dilemma zu \u00fcberarbeiten und allen Kindern einen <strong>vielf\u00e4ltigen und individuellen Entwicklungs- und Bildungsweg<\/strong> zuzugestehen, wie es die Bildungspl\u00e4ne der Bundesl\u00e4nder vorgeben (vgl. z.B. MFKJKS NRW 2016), denn kaum etwas ist motivierender und st\u00e4rkender als die Botschaft: \u201eDu kannst etwas, ich trau es dir zu und du bist richtig, so wie du bist!\u201c<\/p>\n<p>Ein professioneller Umgang mit Diversit\u00e4t erfordert Kompetenzen, die sich insbesondere auf die <strong>Arbeit an der eigenen Haltung und der Reflexion von Denk- und Handlungsmustern<\/strong> beziehen. Hierzu z\u00e4hlen neben der Selbstreflexivit\u00e4t die <strong>F\u00e4higkeit zum Perspektivwechsel<\/strong> und dem Bewusstsein, dass die eigene Perspektive nicht universell, sondern nur eine von vielen ist. Die eigenen Normalit\u00e4tsvorstellungen zu hinterfragen und sich eigene Vorurteile bewusst zu machen, ist nicht einfach und kann Unsicherheiten, \u00c4ngste, Irritationen, vielleicht auch Abwehr hervorrufen, weil gegebenenfalls auch eigene Privilegien und Machtstrukturen sichtbar werden. Ein diversit\u00e4tssensibles Handeln funktioniert aber nur \u00fcber das Verstehen und Kommunizieren, mit Empathie und der Orientierung an den Menschen- und Kinderrechten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zusammenarbeit mit Eltern und Familien<\/strong><\/p>\n<p>Um die Rechte der Kinder auf Bildung und Teilhabe zu verwirklichen, m\u00fcssen alle relevanten Akteur*innen zusammenarbeiten, denn Chancengleichheit kann nicht alleine durch p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte hergestellt werden, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann insbesondere durch eine gute Zusammenarbeit mit Eltern und Familien, verbunden mit einem wertsch\u00e4tzenden Umgang mit Vielfalt, verwirklicht werden (vgl. BMFSFJ 2016). Denn auch wenn die \u00f6ffentliche Kindertagesbetreuung eine erhebliche Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung darstellt, ist der erste und wichtigste Bildungsort der Kinder die Familie. F\u00fcr die Zusammenarbeit mit Familien m\u00fcssen sich Eltern bzw. Bezugspersonen und p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte gleichberechtigt begegnen, denn ein gleichwertiger Umgang mit Diversit\u00e4t und die Ber\u00fccksichtigung von Diversit\u00e4t ist nicht kontextabh\u00e4ngig oder personenbezogen, sondern sollte als Grundlage jeglichen Umgangs von Menschen miteinander darstellen und ist zudem auch ein konkreter Auftrag von Kindertageseinrichtungen (vgl. Prengel 2014). Hierf\u00fcr m\u00fcssen zun\u00e4chst die konkreten Lebenslagen und Lebensformen, d.h. die gelebte Familienkultur wahrgenommen und ber\u00fccksichtigt werden, wozu auch eine konsequente Reflexion der eigenen Vorannahmen und Zuschreibungen notwendig ist, um Missverst\u00e4ndnisse und Fehldeutungen zu vermeiden. Alle Eltern und Familien bringen eine gro\u00dfe Vielfalt mit, unterscheiden sich in Sichtweisen, Erfahrungen und Lebenslagen, sind unterschiedlich zu erreichen und haben trotz Gemeinsamkeiten (z.B. einem \u201e*Migrationshintergrund\u201c) einen ganz individuellen Bezug hierzu und wurden im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext ganz unterschiedlich gepr\u00e4gt. Die Basis jeder Zusammenarbeit mit Familien ist Vertrauen, das nur hergestellt werden kann, wenn Familien als gleichberechtigte Partner*innen und Akteur*innen anerkannt und wertgesch\u00e4tzt werden. Da alle Familien unterschiedliche Erziehungsvorstellungen leben, verschiedene Werte, Regeln und Traditionen pflegen, ist es wichtig, diese in Erfahrungen zu bringen. Die Basis hierf\u00fcr ist ein dialogischer Verst\u00e4ndigungsprozess, der offen gestaltet ist und eine Haltung, die Perspektivwechsel zul\u00e4sst und nicht von vornerein durch Erwartungen und Wertungen voreingenommen ist. <strong>Jedes Verhalten hat aus der eigenen Perspektive heraus einen Sinn, <\/strong>jede Familie braucht unterschiedliche Mittel, um erreicht zu werden und um sich wertgesch\u00e4tzt und respektiert zu f\u00fchlen. Die Kenntnis und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die einzigartige Lebensgeschichte jeder Familie ist eine Voraussetzung f\u00fcr eine Kommunikation ohne Missverst\u00e4ndnisse und anstatt Mutma\u00dfungen anzustellen, m\u00fcssen Eltern und Bezugspersonen von ihren eigenen Beobachtungen, Sichtweisen und Deutungen aus ihrem Alltag berichten. Aus solchen Gespr\u00e4chen k\u00f6nnen sich Erweiterungen der Handlungsm\u00f6glichkeiten auf beiden Seiten entwickeln und der <strong>Gewinn von Diversit\u00e4t wird erlebbar. <\/strong><\/p>\n<p>Und egal wie unterschiedlich die Familien sind: Es ist <strong>keine Arbeit gegeneinander, sondern miteinander<\/strong>, denn das Ziel und der Fokus liegt immer auf dem <strong>Wohl des Kindes. <\/strong>Vor diesem Hintergrund m\u00fcssen unterschiedliche Perspektiven ausgehandelt werden und der Weg definiert werden, der zum einen die Familienkultur ber\u00fccksichtigt und wertsch\u00e4tzt und zum anderen das Kind im aktuellen gesellschaftlichen Kontext, der bestimmte Normen, Gesetze und Regeln vorgibt, handlungsf\u00e4hig macht<strong>. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Diversit\u00e4t bedeutet nicht, dass jedes Verhalten und jede Sichtweise toleriert und akzeptiert werden muss, sondern hat Grenzen. <\/strong>Denn es gibt einen Unterschied zwischen absoluten Normen und konventionellen Normen. Absolute Normen sind demokratische Werte auf der Basis der Menschen- und Kinderrechte, die z.B. vorgeben, dass kein Kind k\u00f6rperlich oder seelisch misshandelt werden darf. Wenn sich hier die Sichtweisen unterscheiden, gilt es das Kind zu sch\u00fctzen und sich klar in der Verantwortung f\u00fcr das Kind zu positionieren. Anders ist es bei konventionellen Normen, wie z.B. Essensregeln- und Gewohnheiten. Solche Normen sind in jeder Familie unterschiedlich, m\u00fcssen akzeptiert und anerkannt werden und auch wenn es je nach gesellschaftlichem Kontext Mehr- und Minderheiten gibt, steht dies in keinem Zusammenhang mit Auf- oder Abwertung, sondern sollte als gleichwertige Bereicherung erlebt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend bilden die Grundlage jeglicher Formen von Diversit\u00e4t immer <strong>Gemeinsamkeiten<\/strong>: Wir haben alle eine Familie oder generell Menschen, die uns wichtig sind, wir haben einen K\u00f6rper, ein Alter, einen Namen, wir sprechen eine oder mehrere Sprachen, haben Bed\u00fcrfnisse nach Zugeh\u00f6rigkeit, Anerkennung und Wohlbefinden und haben alle die gleichen Rechte auf Teilhabe, Bildung, Schutz vor Diskriminierung usw. Diese Gemeinsamkeiten sehen bei jedem von uns unterschiedlich aus und werden unterschiedlich ausgelebt. Anstatt sich gegeneinander zu positionieren und Gruppen von Privilegierten und Ausgegrenzten zu bilden, sollten wir uns immer wieder bewusstmachen, dass viele Merkmale unserer Identit\u00e4t durch die Geburt \u201eper Zufall\u201c zu uns geh\u00f6ren und keinem das Recht zusteht, sich deshalb \u00fcber andere zu stellen. Menschen haben aus ihrer individuellen Sichtweise immer die gleiche Motivation: Ein zufriedenes, gesundes und gl\u00fcckliches Leben zu gestalten und hierin sollten wir uns gegenseitig unterst\u00fctzen, anstatt die eigene Aufwertung in der Abwertung anderer Lebensweisen zu suchen.<\/p>\n<p>Die fr\u00fche Kindheit, die Erziehung und Bildung der Kinder zu Hause und in Institutionen wie der KiTa, ist immer auch vor dem Hintergrund der zuk\u00fcnftigen Gesellschaft und nachfolgenden Generationen zu betrachten: Was Kinder an Werten erleben, wie ihnen die Sichtweise auf Diversit\u00e4t vermittelt und vorgelebt wird und wie sie dies im Mikrokosmos ihrer individuellen Erfahrungswelt verinnerlichen, so werden sie sp\u00e4ter im gesellschaftlichen Makrokosmos die Zukunft gestalten.<\/p>\n\t<p><strong>Quellen und Literaturhinweise:<\/strong><\/p>\n<p>AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)(2020): Herausgeberin: Antidiskriminierungsstelle des Bundes, online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.antidiskriminierungsstelle.de\/DE\/ThemenUndForschung\/Recht_und_gesetz\/DasGesetz\/dasGesetz_node.html\">https:\/\/www.antidiskriminierungsstelle.de\/DE\/ThemenUndForschung\/Recht_und_gesetz\/DasGesetz\/dasGesetz_node.html<\/a>.<\/p>\n<p>Ali-Tani, C. (2019): Deine, meine, unsere Kultur? Die Suche nach dem Wir (Teil 1). In: Verlag das netz (Hrsg.): Betrifft KINDER; Ausgabe 07-08-2019, S. 6-10.<\/p>\n<p>Benbrahim, K. (2012): Theoretische Grundlagen zum Konzept Diversit\u00e4t. In: Benbrahim, K.(Hrsg.) (2012): Diversit\u00e4t. Bewusst wahrnehmen und mitdenken, aber wie? Reader f\u00fcr Multiplikator_innen in der Jugend-und Bildungsarbeit. Informations- und Dokumentationszentrum f\u00fcr Antirassismusarbeit (IDA) e.V., D\u00fcsseldorf, S.6-8.<\/p>\n<p>Blossfeld, H.P. (2013): Kompetenzentwicklung, Bildungsentscheidungen und Chancenungleichheit in Vorschule und Schule \u2013 Neue Ergebnisse aus der Forschung zur Bedeutung von Familien im Bildungsprozess. In: Dei\u00dfner, D.(Hrsg.): Chancen bilden. Wege zu einer gerechteren Bildung \u2013 ein internationaler Erfahrungsaustausch. Springer VS, Wiesbaden, S. 37-57.<\/p>\n<p>BMFSFJ (Hrsg.) (2016): Gleiche Chancen durch fr\u00fche Bildung. Gute Ans\u00e4tze und Herausforderungen im Zugang zur Kindertagesbetreuung. Online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/gleiche-chancen-durch-fruehe-bildung\/112556\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/gleiche-chancen-durch-fruehe-bildung\/112556<\/a><\/p>\n<p>BMFSFJ (Hrsg.) (2017): Gelebte Vielfalt: Familien mit Migrationshintergrund in Deutschland. Online verf\u00fcgbar unter<u>: <\/u><a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/gelebte-vielfalt--familien-mit-migrationshintergrund-in-deutschland\/116882\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/bmfsfj\/service\/publikationen\/gelebte-vielfalt&#8211;familien-mit-migrationshintergrund-in-deutschland\/116882<\/a><u>.<\/u><\/p>\n<p>BMFSFJ (Hrsg.) (2017a): Familienreport 2017. Leistungen, Wirkungen, Trends. Online verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/www.bmfsfj.de\/familienreport-2017\">https:\/\/www.bmfsfj.de\/familienreport-2017<\/a>.<\/p>\n<p>Diehm, I. (2020): Differenz \u2013 die p\u00e4dagogische Herausforderung in der Schule f\u00fcr alle Kinder. In: Skorsetz, N.\/Bonanati, M.\/Kucharz, D.(Hrsg.): Diversit\u00e4t und soziale Ungleichheit. Herausforderungen an die Integrationsleistung der Grundschule. Jahrbuch Grundschulforschung Band 24, vxSpringer VS, Wiesbaden, S. 9-20.<\/p>\n<p>K\u00f6lsch-Bunzen, N.\/Morys, R.\/Knoblauch, C. (2015): Kulturelle Vielfalt annehmen und gestalten. Eine Handreichung zur Umsetzung des Orientierungsplans f\u00fcr Kindertageseinrichtungen in Baden-W\u00fcrttemerg. Herder Verlag, Freiburg. MFKJKS NRW (Hrsg.) (2016): Bildungsgrunds\u00e4tze f\u00fcr Kinder von 0 bis 10 Jahren in Kindertagesbetreuung und Schulen im Primarbereich in Nordrhein-Westfalen. Herder Verlag, Freiburg.<\/p>\n<p>Olszenka, N.\/Meiner-Teubner, C. (2020): Von der Kita bis zur Hochschule: Junge Menschen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem. Kindertagesbetreuung. In: DJI-Kinder- und Jugendmigrationsreport 2020. Datenanalyse zur Situation junger Menschen in Deutschland, S.94-107.<\/p>\n<p>Prengel, A. (2010): Inklusion in der Fr\u00fchp\u00e4dagogik. Bildungstheoretische, empirische und p\u00e4dagogische Grundlagen. Expertise f\u00fcr das Projekt Weiterbildungsinitiative Fr\u00fcp\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte (WiFF), M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Prengel, A. (2014): Inklusion in der Fr\u00fchp\u00e4dagogik. Bildungstheoretische, empirische und p\u00e4dagogische Grundlagen. Eine Expertise der Weiterbildungsinitiative Fr\u00fchp\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte (WiFF). DJI, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Sielert. U. et al (Hrsg.) (2009): Kompetenztraining \u201eP\u00e4dagogik der Vielfalt\u201c. Grundlagen und Praxismaterialien zu Differenzverh\u00e4ltnissen, Selbstreflexion und Anerkennung. Juventa Verlag, Weinheim.<\/p>\n<p>StBA -Statistisches Bundesamt (Destatis) (2019): Bev\u00f6lkerung und Erwerbst\u00e4tigkeit- Bev\u00f6lkerung mit Migrationshintergrund \u2013 Ergebnisse des Mikrozensus 2018 \u2013 Fachserie 1 Reihe 2.2.<\/p>\n<p>Sulzer, A. (2013): Kulturelle Heterogenit\u00e4t in Kitas. Anforderungen an Fachkr\u00e4fte. Eine Expertise der Weiterbildungsinitiative Fr\u00fchp\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte (WiFF). DJI (Hrsg.), M\u00fcnchen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\n<div class=\"entry-summary\">\nDaten und Fakten, Chancen und Herausforderungen und die Bedeutsamkeit einer diversit\u00e4tsbewussten, diskriminierungskritischen Haltung in der Zusammenarbeit mit Kindern&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/diversitaet\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Diversit\u00e4t&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/diversitaet\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Diversit\u00e4t&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-2968","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2968","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2968"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2968\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.griffbereit-rucksack.de\/fa\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2968"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}